Ein unwahrscheinlicher Zufall

Shownotes

In der heutigen Ausgabe wagen wir uns in ein Rabbit Hole, das viele Menschen in ihrem Leben gerne aussparen würden: das Sterben und den Tod. Passend zu seinem Beitrag in unserer aktuellen Kurious Magazine-Printausgabe übernimmt heute der Journalist Lukas Fleischmann das Mikrofon.

Lukas besuchte das Hospiz Karl Josef in Freiburg. Seine persönliche Motivation: Er möchte nach dem kürzlichen Tod seines eigenen Großvaters verstehen, was am Ende des Lebens mit einem Menschen passiert, worüber man nachdenkt und was man noch loswerden möchte. Doch das geplante journalistische Interview mit einem strikten Fragenkatalog verläuft völlig anders als gedacht …

Die heutige Episode ist die erste Folge der zweiten Staffel des Podcasts „Jenseits der Schwerkraft – der letzte Ort auf Erden“ mit dem Titel „Ein unwahrscheinlicher Zufall“. Die Serie wurde für die Badische Zeitung produziert. Wir bedanken uns herzlich, dass wir diese Folge bei uns im kurious radio ausstrahlen dürfen!

Hier der Link zur kompletten Serie „Jenseits der Schwerkraft“:

https://pod.link/1736123034?view=apps&sort=popularity

„Jenseits der Schwerkraft, Staffel 2 - Der letzte Ort auf Erden“ ist ein Podcast der Badischen Zeitung. mit Unterstützung der Fachstelle für Kur- und Klinikseelsorge im Erzbistum Freiburg. In Zusammenarbeit mit dem Karl Josef Hospiz Freiburg.

Moderation: Lukas Fleischmann, Skript: Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann, Produktion: Escucha – Kultur fürs Ohr. Titelmusik: Stephan Winter. Covergestaltung: Andreas Weber, Badische Zeitung.

Danke für die Koordination, die redaktionelle Mitarbeit und das wertvolle Feedback an Schwester Miriana, Thomas Dietrich, Gina Kutkat und Lisa Böttinger.

Transkript anzeigen

00:00:04: In dieser Podcast-Serie will ich verstehen, was am Ende des Lebens mit einem passiert.

00:00:09: Worüber denkt man danach?

00:00:10: Was möchte er oder sie noch loswerden?

00:00:13: Ich habe wahnsinnig viele Fragen und es sind Fragen die ich eigentlich gerne meinem Opa im Nachhinein gestellt hätte.

00:00:19: Es geht aber auch um die Menschen ihm und um das Suspiz.

00:00:24: Hallo im Curious Radio, dem Podcast des Curious Magazines.

00:00:28: Der dich jede Woche in ein neues Rapid-Hol mitnimmt!

00:00:31: Mein Name ist Andreas und ich bin Mitherausgeber des Magazins und ich darf euch heute eine ganz besondere und ja – ich trau mich sogar zu sagen – berührende Podcastfolge anmoderieren.

00:00:43: Es geht heute um ein Thema das in unserer Gesellschaft sehr oft bis zum bitteren Ende ausgeklammert wird… Das Sterben und den Tod.

00:00:52: Welche Gedanken machen sich

00:00:53: Menschen,

00:00:54: die ihre letzte Lebenszeit in einem Hospiz verbringen?

00:00:58: Wer arbeitet dort und was sind Ihre Aufgaben?

00:01:01: Genau zu diesen Fragen gab es in unserer letzten Printausgabe einen Beitrag des Journalisten Lukas Fleischmann.

00:01:08: Und er hat auch diese Podcast-Episode gestaltet – die ihr gleich hören werdet!

00:01:12: Dabei nimmt er uns mit in das Freiburger Hospiz Karl Josef, um herauszufinden was Menschen am Ende ihres Lebens beschäftigt und was sie noch loswerden wollen.

00:01:21: Ja und dann in diesem Hospiz kommt es zu einem unwahrscheinlichen Zufall den ich euch jetzt noch nicht verraten werde!

00:01:28: Diese Episode ist auch Teil einer ganzen Podcast-Serie mit dem Namen Jenseits der Schwerkraft – Der letzte Ort auf Erden die für die badische Zeitung produziert wurde.

00:01:38: Und die erste Folge dürfen wir jetzt eben dankenswerterweise hier übernehmen, weil ihr also die ganze Podcast-Serie hören möchtet?

00:01:45: Wir verlinken sie euch natürlich in den Shownotes!

00:01:48: Jetzt geht's los – hier bei uns im Curious Radio.

00:01:52: Es gibt im Leben manchmal diese ziemlich verrückten Zufälle und einer davon ist, wenn April twenty-fünfundzwanzig passiert.

00:02:00: Wollen Sie sich vielleicht einfach mal kurz vorstellen

00:02:04: Ja, ich heiße Jürgen Fleischmann.

00:02:08: Bin vierundachtzig Jahre und jetzt seit ungefähr drei Wochen hier in diesem Hospiz Gast in diesem hospiz.

00:02:19: Der Mann mir gegenüber ist gut drauf.

00:02:21: Er wirkt entspannt Er trägt den gleichen Nachnamen wie ich, nämlich Fleischmann.

00:02:26: Er kommt aus derselben Gegend als ich, spricht denselben Dialekt fränkisch und ist wie mein Opa in der selben Woche im Jahr nineteeninundvierzig geboren Und zu allem Überfluss sieht er ihm auch noch verdammt ähnlich.

00:02:38: Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied Jürgen Fleischmann isst noch am Leben Mein Opa seit einer Woche nicht mehr.

00:02:46: Das ist gerade auch für mich irgendwie echt spannend, dass ich jetzt quasi mit einem Mann unterhalte.

00:02:53: Ich komm.

00:02:55: gestern früh war ich noch in Kämmern beziehungsweise auf der Beerdigung von meinem Opa und da war es halt so... Der hat dieses Geschenk die letzten Wochen noch im Hospiz bleiben zu können.

00:03:09: Das hat er nicht gekriegt.

00:03:10: Er ist dann halt gestürzt und war dann Intensivstation Und das war nicht schön.

00:03:18: Jürgen Fleischmann hört mir aufmerksam zu und ist über diesen Zufall nicht weniger überrascht, als ich.

00:03:24: Immer wieder bittet er mich lauter zu sprechen – er hört nicht mehr so gut!

00:03:28: Er liegt im Bett, denn bewegen kann es sich aufgrund seiner Krankheit auch nicht mehr.

00:03:33: Dass sich Jürg-Fleischmann überhaupt mit mir unterhalten kann, das ist ein kleines Wunder, denn noch vor drei Wochen war sein Zustand so kritisch dass ihm die Ärzte eigentlich nicht mehr viel Zeit gegeben haben….

00:03:44: Sein Krankheitsbild ist also weit fortgeschritten.

00:03:47: Und auch das ist ein Grund, weswegen ich den Termin nicht verschieben wollte und die dreihundertfünfzig Kilometer von Bamberg in Suspiz Kaliose nach Freiburg gefahren bin.

00:03:57: In dieser Podcast-Serie will ich verstehen was am Ende des Lebens mit jemandem passiert?

00:04:02: Worüber denkt sie jemanden nach?

00:04:03: Was möchte er oder sie noch loswerden?

00:04:06: Ich habe viele Fragen!

00:04:08: Es sind Fragen, die ich meinem Opa im Nachhinein gerne gestellt hätte... Es geht aber auch um die Menschen im und um das Suspiz.

00:04:45: Jetzt

00:04:45: tot, unglücklich und traurig sein.

00:04:47: Ist es aber

00:04:48: nicht.".

00:04:48: Dieses Begleiten heißt

00:04:50: für mich

00:04:50: mit demjenigen die Freude zu teilen, ein kleines Fest mitzufeiern.

00:04:56: Am Schluss war dann diese Verabschiedung – wenn ich jetzt nicht erkältet gewesen wäre, hätte ich den Abend genommen

00:05:01: und hätte

00:05:01: ihn alles Gute gewünscht!

00:05:18: Ich bin Lukas Fleischmann und das ist die Jenseits der Schwerkraft Staffel II Der letzte Ort auf Erden Folge eins, ein unwahrscheinlicher Zufall.

00:05:47: Das Leben ist wie eine Bergwanderung – es beginnt früh am Morgen.

00:05:50: Dein Ziel ist der Gipfel mit der schönen Aussicht und dem rund Umblick.

00:05:55: Anfangs kommst du schnell voran!

00:05:56: Du huscht von einer Weg Gabelung zur nächsten.

00:05:59: Auf deinem Weg begegne die häufig andere Wandernde, die sich dir mal für etliche Stunden und mal nur ganz kurz anschließen.

00:06:08: Mit der Zeit spürst du das Gewicht eines Rucksacks immer mehr.

00:06:12: Irgendwann am späten Nachmittag nach etlichen Stunden der Anstrengung geht dir die Puste aus.

00:06:17: Du siehst den Gipfel zwar schon vor dir, du bist aber ziemlich im Eimer, dann proviant es aufgebraucht deine Wasserflasche so gut wie leer und dann siehst du auf einmal nur zweihundert Meter entfernt – Die Umrisse einer Hütte.

00:06:35: Hallo das ist Lukas Fleischmann!

00:06:38: Ich komme rein ne?

00:06:40: Von außen sieht das Suspiz Kaliose von Freiburg aus wie eine x-beliebige Wohnanlage Eine etwas schmucklose Fassade, einheitliche Fenster.

00:06:49: Ein paar unscheinbare Balkone.

00:06:51: farblich geht das so in die Pastellrichtung.

00:06:54: Nichts an diesem vierstöckigen Gebäude deutet darauf hin dass Menschen dort ihren letzten Lebensabstand verbringen.

00:07:00: Einzig ist die Rollstuhl-Rampe vor dem Eingang Lester Ahnen, dass hier Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein und ausgehen.

00:07:07: Tatsächlich teilt sich das Hospiz derzeit die Räumlichkeit mit einem Pflegeheim.

00:07:11: Denn der eigentliche Standort für das Hospietskal Josef, der ist im Freiburger Stadt Telvire – dort wird aber gerade renoviert!

00:07:19: Hier in der Kronmettenstraße ist sozusagen eine Zwischenlösung gefunden worden und ich finde im Kontext von Leben und Tod erscheint der Begriff Zwischen-Lösung nochmal ganz anders….

00:07:30: Ja, ich bin Schwester Marianna.

00:07:31: Ich bin Franziskanaerin von CISEN, Körner franziskanischen Gemeinschaft an.

00:07:37: Von Beruf her bin ich Krankenschwester und habe hier im stationären Hospit sechsundhalb Jahre in der Pflege gearbeitet.

00:07:45: Anschließend war ich im Pflegebereich meiner alten Mitschwestern.

00:07:50: Und seit zwei Tausendsechzehn hab' ich die Leitung des Hospices Calliosef.

00:07:56: Die Ordensschwester begrüßt mich bei meinem ersten Besuch in grauem Ordenskleid mit Kreuzanhänger auf der Brust, einem weißen Schleier auf dem Kopf und einem breiten Lächeln im Gesicht.

00:08:06: Es fällt viel Licht durch die vielen Fenster auf den hellbrauen Laminatboden – es wird alles sehr offen und einladend!

00:08:13: Den Eingangsbereich, den könnt ihr euch vorstellen wie eine Mischung aus Gemeinschaftsraum mit Küche.

00:08:19: Das sind Tische und Stühle an den Wänden.

00:08:21: Es gibt ein Sofa, mehrere Sessel Und einen schönen Blick auf den Innenhof.

00:08:26: An der Wand steht ein Regal.

00:08:27: das sind Brettspiele drin Würfelspiele, Kartenspiele alles Mögliche Daneben ein Fernseher und eine Gitarre Auf der anderen Seite des Raumes steht sogar ein Klavier.

00:08:37: Davon zweigt wiederum ein Gang ab Der führt zu den Zimmern.

00:08:41: An die Breitseite des Raumes schließt sich der Dienstraum an.

00:08:44: Das ist ein länglicher Raum mit Glasfassade, in dem in hohen weißen Schränken die Medikamente aufbewahrt sind.

00:08:51: Neben der Eingangstür ist eine Tafel mit den Bildern der Mitarbeitenden aufgehängt – darunter auch ein Foto der Schwester.

00:08:58: Mein erstes Berührungspunkt war schon sehr früh und zwar erinnere ich mich sogar noch an einen Religionsunterricht in der Schule wo wir von den ersten Hospizen, Christophorus-Hospizien in London gehört haben.

00:09:13: Und das hat mich fasziniert später in der Ausbildung zur Krankenschwestern.

00:09:18: Haben wir in Ethik drüber gesprochen?

00:09:22: Ich habe zu den Jüngsten vom Kurs gehört und hab dann aber gesagt, ich würde das interessieren!

00:09:29: Ich werde mal gerne in einem Hospiz arbeiten.

00:09:34: Kolleginnen, die haben mich alle angeguckt und haben gesagt weißt du eigentlich was du sagst?

00:09:40: Dann haben wir gesagt ja.

00:09:41: Und so bin ich zum Hospiz

00:09:44: gekommen.".

00:09:45: Als Leiterin führt sie ihr Team aus Angestellten und Ehrenamtlichen – und sie spricht mit den Familien möglicher Gäste!

00:09:52: Denn Menschen, die im Hospiz leben, werden nicht als Patientinnen oder Patienten bezeichnet sondern als Gäster.

00:10:00: Letztlich ist es Schwester Marianna, die entscheidet wer einen Platz als Gast bekommt und wer nicht.

00:10:06: Also ein stationäres Hospiz kann acht bis sechzehn Plätze haben.

00:10:10: wir haben uns bewusst für die Acht entschieden weil wir einfach in dieser persönlichen Art und Weise weiterarbeiten möchten.

00:10:18: das heißt dass sich rund um den großen und hellen Ess-und Wohnbereich acht Räume befinden indem sich Menschen auf ihren letzten Lebensabstand begeben oder bereits im Begriff sind zu sterben.

00:10:28: Das wirkt auf den ersten Blick natürlich ein bisschen surreal.

00:10:31: Denn da, wo ich jetzt ganz gemütlich Kaffee trinke und mich mit Gästen wie Herrn Fleischmann unterhalte, da sterben Menschen um mich

00:10:38: rum.".

00:10:39: und dass wir eben kein Pflegeheim sind, sondern das es auch von den Symptomen eine Behandlung benötigt.

00:11:07: Und egal welcher Herkunft, welche Weltanschauung, sondern wir sind für die Menschen da, die in einer so schweren Erkrankung sind und die wissen, dass sie aufs Lebensende zugehen.

00:11:23: Die Anfänge der Ausbietsbewegung in Deutschland, da war es das Ziel sich selber überflüssig zu machen.

00:11:30: Das hier ist Beno Bolze.

00:11:31: er ist Geschäftsführer des deutschen Hospiz- und Palätsieverbandes in Berlin.

00:11:36: Am liebsten wäre es ihm wenn ältere Menschen bis zu ihr Mitlebensende im eigenen Umfeld bleiben könnten und gut umsorgt werden.

00:11:43: Das heißt sterben und tot wieder als ganz normales Geschehen in der Gesellschaft zu erleben In der Familie, im Bekanntenkreis, im Umfeld und dass es die Ausbiete eigentlich gar nicht mehr braucht.

00:11:54: Aber überall geht das halt nicht.

00:11:56: Gerade wenn es keine Angehörigen gibt oder sie mit der Betreuung psychisch oder medizinisch überfordert sind, dann bleibt als Alternative nur das Krankenhaus und das ist verbunden mit Stress-, hohen Kosten- und einer hohen Anonymität.

00:12:10: Das hat die britische Krankenschwestern Ärztin Cicely Saunders schon Ende der neunzehntvierziger Jahre erkannt.

00:12:16: Damals hat sie einen Überlebenden eines Konzentrationslagers gepflegt, der ihr sein Vermögen hinterlassen hat mit der Aufforderung aus diesem Geld ein Sterbehäum zu eröffnen.

00:12:26: Es sollte noch fast zwanzig Jahre dauern bis das Lesondas in London das erste Hospiz der Welt eröffnete.

00:12:35: Nach Deutschland sind in den neunzehn-achtiger Jahren zunächst ambulante Hospizdienste gekommen.

00:12:41: Das ist aber nicht das gleiche wie ein stationäres Hospiz, denn diese Teams suchen die Patientinnen und Patienten zu Hause auf.

00:12:48: Wenig Jahre später hat hierzulande dann das erste stationäre Hospiz für seine Gäste in Aachen eröffnet – mittlerweile gibt es rund zweihundertsiezig solche Hospize im ganzen Bundesgebiet!

00:13:01: Während in vielen Gegenden Deutschlands Hospize gebaut werden, hat der Freiburgeraum da definitiv Nachholbedarf.

00:13:08: Denn es gibt eigentlich für die Größe des Raums zu wenige Hospizplätze.

00:13:12: Wer so einen Platz dann dennoch bekommt, muss dafür nicht extra zahlen.

00:13:17: Ein Großteil der Kosten – und das ist nicht selbstverständlich!

00:13:29: In anderen Ländern müssen die Betroffenen zum Beispiel einen sehr großen Eigenanteil aufbringen.

00:13:36: Wenn wir nach Österreich zum Beispiel schauen, haben wir kein einheitliches System haben in der Regelung gesetzlichen Regelungen was im Bereich Krankenversorgung angeht und das eben den Regional bezogen muss man eigene Regelungen mit dem Krankenkassen dort verhandeln.

00:13:51: Wir haben halt in Deutschland den Vorteil dass wir das einmal regeln in Anführungszeichen auf Bundesebene über die Politik im Bundesgesetz.

00:13:58: dann gibt es den Rahmenvertrag der bundesweit gilt an die jeder Stelle in Deutschland so umgesetzt werden kann.

00:14:04: Dass es diese Regelung überhaupt gibt, ist im Deutschen Hospiz- und Pilotivverband zu verdanken.

00:14:10: Und dass es in Zukunft so bleibt – das ist keineswegs sicher!

00:14:13: Denn mit Blick auf die Demografie in Deutschland wo die Krankenkassenbeiträge zunehmend steigen und jetzt schon im Pflegebereich Mangel herrscht kommen immer mehr Herausforderungen auf Hospize zu.

00:14:23: Das System wird sich also zwangsläufig verändern müssen.

00:14:26: Wir selber haben gefordert oder fordern von der Politik dass wir für Fünfzig Bewohner im Pflegeheim eine Qualitivkehrkraft dort

00:14:37: haben.

00:14:38: Aber selbst dann funktioniert das Ganze nur, wenn Menschen bereit sind ihre Freizeit zu opfern um ehrenamtlich dort zu arbeiten.

00:14:45: In den nächsten Folgen werde ich auch Ihre Arbeit und die Arbeit der Hauptamtlichen vorstellen.

00:14:50: Außerdem werde ich die Geschichten von zwei Gästen erzählen, die sich mir anvertraut haben.

00:14:54: Der eine ein ehemaliger Krimineller mit einer bewegenden Lebensgeschichte und der andere einen Mann, der nach dem Tod einer geliebten Person lernen musste wie Leben wieder neu funktioniert.

00:15:05: Aber wie unterhält man sich mit Menschen, die bald sterben

00:15:08: werden?

00:15:15: Herzlich Willkommen im Helios Klinikum in Forzheim.

00:15:18: Das ist Javier Sosaifink.

00:15:21: Er ist Klinik- und Hospizielsorger.

00:15:23: Und hat sich den ganzen Nachmittag freigenommen, um mit mir und meinem Co-Autor Ralf Fürschinger Tipps für meine Besucher im Hospizie zu

00:15:30: geben.

00:15:31: Man muss Zeit lassen also wenn man schnell oder aufgeregt ist das erlebe ich zum Beispiel als hinterlich von der Grundeinstellung Logos im Sinne von Fragen Wenn ich spüre irgendwie, es gibt ein Tabuthema und manchmal ist dieses Tabuthemah halt die Familie.

00:15:54: Dann versuche ich da nicht näher drauf einzugehen.

00:15:57: oder wenn einfach auch eine mehr an Vertrauensbasis gewachsen ist kommt man vielleicht auch hin.

00:16:03: Seit mehr als fünf Jahren besucht der Menschen im Hospiz und bietet an zu reden.

00:16:09: Es ist individuell, aber ich stelle immer mich selber vor.

00:16:12: Und wer ich bin und dass ich einfach als Sehnsorger da bin um Menschen zu begleiten in dem Maße wie sie das selber möchten... ...und auch dass ich sozusagen das Begleite was ihnen wichtig ist und nicht das was ich ihnen irgendwie aufdrücken wollte oder sowas.

00:16:29: Ich habe eine Botschaft die ist sozusagen bei mir und wenn ich merke es sind Menschen empfänglich dafür dann kommt die vor.

00:16:37: Wenn das nicht der Fall ist, dann ist für mich erst mal wichtig ganz authentisch auch zu sagen Mensch du bist wichtig und wertvoll mit deinem gelebten Leben.

00:16:46: Und in deinem Leben kann man vielleicht auch miteinander etwas

00:16:50: entdecken.".

00:16:51: Das hört sich alles nachvollziehbar an!

00:16:53: Erstmal vorstellen wer man ist was man macht wie bei anderen Interviews im Beruf als Journalist eben auch.

00:17:00: Nur habe ich Sorge dass ich das mit dem Sich Zeit lassen als problematisch darstellen könnte weil Hospizgäste in der Regel nicht so lange dort bleiben, sodass ich über mehrere Tage oder vielleicht sogar Wochen ein gutes Verhältnis aufbauen kann.

00:17:14: Und weil sich der Zustand dieser Gäste natürlich sehr schnell verschlechtern kann – wie unplanbar das alles ist?

00:17:20: Das habt ihr ja zum Beispiel schon in der ersten Staffel von jenseits der Schwerkraft erfahren als ich das Kinderpilativ-Team der Uniklinik Freiburg begleitet habe!

00:17:29: Darum habe ich mir mit Ralf eine ganz spezielle Methode überlegt.

00:17:33: Ein Fragenkatalog, der auf das eigene Leben abzielt aber auch die aktuelle Situation in den Blick nimmt und auf alles guckt was so in Zukunft noch passiert?

00:17:44: Jetzt haben wir ja noch die Option geäußert dass wenn wir im Interview irgendwie nicht weiterkommen oder vielleicht auch weil es nicht passt dass wir den Leuten Karteikarten an die Hand geben möchten wo sie dann noch mal reflektieren können über bestimmte Fragen und das dann ins Mikrofon artikulieren.

00:18:05: Und das ist jetzt natürlich die große Aufgabe, was sind denn das für Fragen?

00:18:09: Also ich habe es mir auch aufgeschrieben.

00:18:10: vielleicht welche Fragen beschäftigen den Menschen in dieser Situation besonders?

00:18:15: Wir haben ja diese Kartei kann auch so ein bisschen auch als Servicegedanke verstanden Vielleicht für Menschen die nachts alleine im Bett liegen und da ist halt nicht der Trubel rum.

00:18:27: Gibt's etwa so viel?

00:18:28: ich Danke sagen möchte?

00:18:29: Okay

00:18:37: Wenn Sie sich mit drei Worten beschreiben würden, welche wären

00:18:41: das?

00:18:42: Welche

00:18:43: Erinnerungen

00:18:43: möchte ich noch machen?

00:18:45: Mit welchen

00:18:45: Menschen würde ich mich gerne nochmal unterhalten.

00:18:51: Wir kommen auf fast dreißig Fragen – so viel zu Theorie!

00:18:56: Aber zwischen dem ersten Treffen mit Javier Susé Yfink und meinem ersten Kennlein mit einem Gast im Hospiz vergehen drei Monate Denn nicht jeder, der ins Hospiz kommt ist bereit mir seine Lebensgeschichte zu erzählen.

00:19:09: Die Vorauswahl trifft Schwester Marianna nach bestem Wissen und Gewissen – und es ist ja auch irgendwie logisch, denn die Gäste sind in einem extrem vulnerablen Zustand!

00:19:19: Schwester Mariana will sie durch Interviewfragen nichts zusätzlich belasten.

00:19:23: Sie muss also erst mal zart vorfühlen, ob Interesse an einem Interview besteht.

00:19:28: Als das dann Anfang April so weit ist, zögere ich keine Sekunde… Auch wenn das ein Tag nach der Beerdigung meines Großvaters ist.

00:19:36: Wollen Sie sich vielleicht einfach mal kurz vorstellen?

00:19:39: Ja, ich heiße Jürgen Fleischmann.

00:19:42: Ich bin vierundachtzig Jahre und jetzt seit ungefähr drei Wochen hier in diesem Hospiz Gast in diesem hospiz.

00:19:55: Jürgens Fleischmann!

00:19:56: Der Mann heißt wie ich... kommt aus einer Gegend nicht weit weg von meinem Elternhaus, spricht mit fränkischem Dialekt.

00:20:02: Ich merke dass ich im Gespräch dann auch automatisch viel mehr frengel als sonst aber ich habe ihn noch nie zuvor gesehen und er ist doch nicht verwandt mit mir.

00:20:12: Jürgen Fleischmann ist heute gut drauf.

00:20:14: Er erzählt mir frei mütig von sich Den vorbereiteten Fragenkatalog.

00:20:18: den hab' ich bei mir!

00:20:19: Ich bin also bereit tiefer zu gehen.

00:20:21: Wir können sehr gerne ... noch mal irgendwann treffen.

00:20:24: Aber wir haben so ein paar Fragen vorbereitet, die ich... ...die wir allen Menschen stellen wollen,... ...die an dem Podcast teilnehmen.

00:20:32: Ja das finde ich gut!

00:20:33: Dann ist es immer relativ gleich.

00:20:37: Und zwar würde mich interessieren wenn Sie sich mit drei Worten beschreiben müssten,... ..."Sie als Jürgen Fleischmann".

00:20:47: Welche drei Worte wären das?

00:20:57: Das ist schwierig.

00:20:58: Darauf bin ich jetzt nicht vorbereitet.

00:21:02: Diesen Witz, diese Anekdote erzähle ich gerne?

00:21:07: Ich konnte mich noch nie wieder merken.

00:21:10: Eine Anek-Dote?

00:21:12: Irgendeine Anek Dote, die gerade einfällt?

00:21:13: Ja da müsste ich die vergraben.

00:21:15: Das gibt es vielleicht schon aber im Moment nicht.

00:21:18: Also das geht mir jetzt zu spontan.

00:21:21: Wenn ich heute auf mein Leben blicke... ...das habe ich bereut!

00:21:27: Bereut?!

00:21:30: Kann ich auch nichts sagen.

00:21:35: Eigentlich schon fast, deswegen viele so persönliche Fragen.

00:21:38: Ich weiß die sind sehr persönlich.

00:21:40: wie gesagt es ist auch.

00:21:41: ich erwarte auch ja nicht dass sie mir die alle beantworten.

00:21:44: Nein wir sind eigentlich gar nicht unangenehm, jetzt sind das nur lästig.

00:21:49: Okay.

00:21:49: Mir ist es nur lässig.

00:21:51: Soviel fragen wo man so viel nachdenken muss und dann vielleicht wischt man doch nicht das Richtige?

00:21:57: Das ist eigentlich nicht das was ich dazu sage.

00:22:01: Okay

00:22:01: Es ist nur läsdig.

00:22:03: Wow Unser stundenlang vorbereiteter Fragenkatalog mit extrem schlauen, tiefgründigen Fragen zündet überhaupt nicht.

00:22:13: Im Gegenteil – die Fragen kommen gar nicht gut an!

00:22:15: Vielleicht war das alles etwas viel auf einmal oder ich habe mit Jürgen Fleischmann noch keine gemeinsame Basis gefunden wie Javier Sosaifink sagen würde?

00:22:25: Manchmal

00:22:25: braucht es vielleicht einfach ist der Kniff auch Zeit geben.

00:22:33: Unterbrechung und ich komme einfach eine halbe Stunde später nochmal.

00:22:40: Manchmal kommen wir vielleicht auch an den Punkt nicht weiter, ja?

00:22:45: Also

00:22:47: ich

00:22:47: habe da auch kein Patentrezept.

00:22:48: also ich merke dass irgendwie viel bei mir auch passiert.

00:22:52: darüber schafft man es irgendwie miteinander auch eine Basis zu finden.

00:22:59: manchmal muss ja kreativ werden ja manchmal Manchmal kommt vielleicht auch durch die auf dem Tisch liegende Tageszeitung oder sowas, komme ich zu irgendwas und wird das ein Öffner?

00:23:13: Ich möchte Jürgen Fleischmann meinen Fragen natürlich nicht zur Last fallen.

00:23:16: Ich verabschiede mich von ihm in der Hoffnung, ein anderes Mal mehr zu erfahren.

00:23:20: Schwester Mirjana erzählt mir dass Jürg Fleischmann sehr verschlossen war als im Hospiz angekommen ist.

00:23:34: Er hat mal das so hingenommen, dass es so ist.

00:23:37: Und dann haben wir auch erst einmal begonnen zu gucken.

00:23:40: können wir auch noch mal ihn raussetzen und so.

00:23:42: Das ging dann erst nach ich weiß nicht nach wieviel Tagen oder so, dass man einfach nochmal neue Perspektiven aufgetan haben.

00:23:51: Ich weiß noch wie ich ihn angesprochen habe auf die schönen Bilder der er sich bringen hat lassen und gesagt lassen sie sich doch den Computer bringen.

00:24:02: Er hat so tolle Naturfotografien.

00:24:07: Und er lebt da auch, wenn man mit ihm die Bilder

00:24:10: anguckt.".

00:24:11: Vielleicht liegt hier ja eine Chance, Jürgen Fleischmann besser kennenzulernen – mehr dazu in der nächsten Folge!

00:24:32: Das war jenseits der Schwerkraft Staffel zwei, der letzte Ort auf Erden.

00:24:37: Ein Podcast der badischen Zeitungen mit Unterstützung der Fachstelle für Kur- und Klinikseelsorge im Erzbistum Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Hospiz Kaljose Freiborg.

00:24:48: Moderation von mir Lukas Fleischmann Skript Ralf Fürschinger und Lukas Fleischmann.

00:24:53: Produktion Eskutscha Kultur fürs Ohr Titelmusik Stefan Winter Covergestaltung Badische Zeitung.

00:25:00: Andreas Weber.

00:25:02: Danke für die Koordination, die redaktionelle Mitarbeit und das wertvolle Feedback an Schwester Mirjana, Thomas Dietrich, Simone Beldawies, Gina Kutkat und Lisa Pöttinger.

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